Von Dr. phil.
habil. Herbert Wilhelmy, Dozent der Geographie an der Universität
Kiel.
Das
Kartenwesen
Bulgariens
Der Beginn systematischer kartographischer Arbeiten in Bulgarien liegt gerade 100 Jahre zurück. Noch in den ersten Jahrzehnten des vorigen Jahrhunderts fußte unser topographisches Wissen über dieses Land in erster Linie auf den Karten des Ptolemaeus und deren späteren, meist nur wenig veränderten Kopien1). Die 1154 im Auftrage König Rogers II. am Hofe zu Palermo entstandene Weltkarte des arabischen Geographen I d r i s i hat zwar große Berühmtheit erlangt, zur Vervollständigung des Kartenbildes von Bulgarien jedoch nur wenig beigetragen2). Das gleiche gilt von den zahllosen Portulankarten des 15, und 16. Jahrhunderts, die sich als Seekarten auf die Darstellung der bulgarischen Schwarzmeerküste beschränkten3).
In den 5 Jahrhunderten der osmanischen Herrschaft (1396—1878) ist für die kartographische Aufnahme des heutigen bulgarischen Staatsgebietes von Seiten der Hohen Pforte nichts getan worden. Das kriegerische Nomadenvolk führte keine Feldzüge nach den Regeln europäischer Strategie, sondern stieß — solange es im Vollbesitz seiner Kraft war — in ungestümen Offensiven vor. Die Benutzung von Operationskarten war den Türken fremd. Umso eifersüchtiger wachten sie darüber, daß auch der Feind keinerlei Gelegenheit zur Durchführung topographischer Aufnahmen innerhalb des Osmanischen Reiches fand. Noch v o n d e r G o l t z hörte 1895 in Konstantinopel bei maßgeblichen Stellen die Ansicht, „daß eine gute Karte dem Feinde die Wege weise und man daher besser tue, keine zu besitzen". Auch für private Reisende blieb das Land bis in die letzten Jahrzehnte der Türkenzeit schwer zugänglich, und so ist es kein Wunder, daß man im Abendland geographisches Wissen über Südosteuropa nach wie vor den Schilderungen S t r a b o s entnahm, die überdies oft zutreffender waren als viele der nur mangelhaft unterbauten zeitgenössischen Berichte. Auf Ptolemaeus und Strabo fußten auch die meisten kartographischen Kompilatoren des 18. und beginnenden 19. Jahrhunderts, und mancher Irrtum, der noch gelegentlich in Konjunktur- und Dilettantenkarten Bulgariens auftaucht, geht auf mißverstandene Angaben dieser klassischen Autoren zurück. Die Bemerkung Strabos z. B., daß eine Reihe von Gebirgen die Halbinsel in gerader Linie vom Pontus zur Adria durchziehe, führte zur Konstruktion der berühmten „Zentralkette des Haemus", die als eine Fortsetzung der Alpen angeblich lückenlos bis zum Schwarzen Meer reichen sollte und in dieser Form auf allen Karten erschien, bis die Forschungsberichte Ami B o u é s diesem Märchen — wenigstens in den Fachkreisen — ein Ende machten4).
Mit den Reisen B o u é s (1836—38) beginnt die Periode der intensiven geographischen Durchforschung Bulgariens. Ihm und vielen anderen Geographen und Geologen der Folgezeit verdanken wir die ersten Routenaufnahmen und Teildarstellungen dieses bis zum vorigen Jahrhundert unbekanntesten europäischen Landes. Deutsche Forscher haben die Hauptarbeit geleistet. Namen wie K a n i t z, B a r t h, H o c h s t e t t e r und T o u l a sind aus der Geschichte des bulgarischen Kartenwesens nicht fortzudenken. Neben ihnen waren nur noch einige Franzosen in Bulgarien tätig (B o u é, V i q u e s n e l). Auffällig ist, daß die Engländer, die im afrikanischen und asiatischen Orient hervorragende Kartenwerke geschaffen haben, sich zu keiner Zeit mit entsprechenden Arbeiten in der europäischen Türkei befaßten.
Auf den privaten Itineraren vieler Forscher beruhen die ersten Übersichtsdarstellungen Bulgariens. An ihrer Spitze stehen die Arbeiten K i е p е r t s und v. S с h е d a s. Jahrzehnte hindurch blieben sie unübertroffen, bis das Kartenwesen Bulgariens infolge der politischen Ereignisse in den siebziger Jahren einen neuen mächtigen Impuls erhielt.
1871—75
führten
österreichische Offiziere im Auftrage des Wiener
Militärgeographischen
Instituts mehrere geodätische und topographische Erkundungsreisen
in Bulgarien
durch. Sie erarbeiteten das Material, das später die Grundlage
für die
österreichische „Generalkarte von Central-Europa" (l : 300 000) und die „Übersichtskarte von Mitteleuropa"
(l : 750 000) bildete. 1877 brach der Russisch-Türkische
Krieg aus. Rußland, das den in der Erhebung begriffenen Bulgaren
im Kampf gegen
die Türkei beistand, benutzte die Gelegenheit, um in den Jahren 1877—79 eine großangelegte Landesaufnahme
vorzunehmen. Die r u s s i s c h e n und
ö s t e r r e i c h i s c h e n Kartenwerke haben bis heute
ihren Wert
behalten. Das nach der Befreiung Bulgariens im Jahre 1891 errichtete M i l i t ä r g e o g r a p
h i s c h e I n s t i t u t i
n S o
f i a mußte auf ihnen weiterbauen. Die finanzielle Lage des
jungen Staates und
die geringe Zahl ausgebildeter Kräfte gestatteten dem bulgarischen
Generalstab
zunächst nur eine Reambulierung der großmaßstabigen
russischen Karten (l : 42 000 und l : 126 000). Nach dem Weltkriege war aber
eine exakte N e u m e s s u n g unvermeidlich geworden. Mit den
Vorbereitungen
dazu begann man im Jahre 1920 und wählte als Maßstab
dieses
ersten selbständigen bulgarischen Kartenwerks l : 50 000. Einige Blätter sind bereits erschienen, und
in ihrer gediegenen Ausführung
bieten sie eine Gewähr dafür, daß nun auch
Bulgarien in die Reihe der
kartographisch produktiven Staaten eingetreten ist.
1) Vgl.
die Zusammenstellung in A. E. N o
r d e n s k i ö l d, Facsimile Atlas, Stockholm 1889.
2) Vgl. „Mappae arabicae", Bd. I, H. 2, Taf. IV
und V, hrsg. v. K. M i l l e r, Stuttgart 1926.
3) Vgl. A. E. N o r
d e n s k i ö l d, Periplus,
4) A. B o u é, Einige
Bemerkungen .... über die sogenannte
Zentralkette in der europäischen Türkei.
Sitz.-Ber. Akad. d. Wiss. Bd. LXXX, l, Wien 1866.
I. Routenaufnahmen und
Teildarstellungen.
Der in den dreißiger Jahren
des 19. Jahrhunderts beginnenden Folge von Itineraren
und Darstellungen
bulgarischer Teilgebiete ist im 18.
Jahrhundert nur eine
Aufnahme
von Originalwert vorangegangen. Es ist der Donau-Atlas des
italienischen Grafen
und kaiserlichen Generals M a r s i g l i, dessen
Karten sich auf
Vermessungen und astronomische Ortsbestimmungen stützen5).
Marsigli
wirkte in den Friedensverhandlungen von Karlowitz mit (1699) und erhielt von Kaiser Leopold den Auftrag,
zwecks Festlegung der Grenze
zwischen dem österreichischen und dem türkischen Staatsgebiet
den Donaulauf von
Wien bis zur Jantramündung aufzunehmen. Von den zahlreichen Karten
dieses Atlas
stellen 6 Blätter die nordbulgarische Uferzone
der Donau in meisterhafter Ausführung dar.
Auf diese frühzeitige exakte Kartenaufnahme in Südosteuropa folgte wieder eine hundertjährige Pause. Erst der Russisch-Türkische Krieg in den Jahren 1828/29 eröffnete eine Periode lebhafterer kartographischer Tätigkeit. Aus dieser Zeit stammt eine Serie von Karten und Plänen des in türkischen Diensten stehenden preußischen Majors H. v. M o l t k e. Seinem 1845 erschienenen Buche über den „Russisch-türkischen Feldzug" ist ein Anhang mit sorgfältig ausgeführten Umgebungsplänen ostbulgarischer Städte beigegeben. Auch strategisch wichtige Teillandschaften, z. B. den Š i p k a - P a ß, hat Moltke aufgenommen. Nicht minder wertvoll sind die Kartenbeilagen seiner in vielen Auflagen erschienenen „Briefe über Zustände und Begebenheiten in der Türkei aus den Jahren 1835 bis 1839".
Um die gleiche Zeit (1836—38) führte der französische, später in Wien lebende Forscher A m i B o u é seine großen Reisen in Bulgarien durch. In seinem Hauptwerk „Die Europäische Türkei" und in seinem „Recueil d' Itinéraires" gab er ausführliche topographische Schilderungen, die für die Kartographen der Folgezeit wichtige Hinweise enthielten6). Ein Atlas der Europäischen Türkei, den Boué 1850 der Akademie der Wissenschaften in Wien vorlegte und der 13 Kartenblätter enthielt, ist leider nicht veröffentlicht worden. Jedoch besitzen wir aus dem Jahre 1868 einen Kartenband, der das in Paris erschienene zweibändige Werk von A. V i q u e s n e l „Voyage dans la Turquie d' Europe" ergänzt. In ihm hat der französische Gelehrte auf 34 Blättern seine kartographische Ausbeute niedergelegt. Das erste Blatt „Carte de la Thrace" (1 : 800 000, Paris 1854) umfaßt auch einen großen Teil Bulgariens und zeichnet sich durch einen alle früheren Darstellungen an Reichhaltigkeit und Zuverlässigkeit überbietenden Inhalt aus. Auf 18 folgenden Blättern finden sich die Routenaufnahmen Viquesnels im Maßstab l : 160 000. Eine weitere Bereicherung unseres topographischen Wissens über Bulgarien verdanken wir dem berühmten Afrikaforscher Heinrich B a r t h. Er reiste im Jahre 1862 von Samokov über Plovdiv (Philippopel), Trnovo nach Russe an der Donau und fertigte ein Kroki der zurückgelegten Strecke an, das von H. K i е р е r t überarbeitet und auf den Maßstab l : 500 000 reduziert wurde7).
Bedeutende Fortschritte sind in der Kartographie Bulgariens seit dem Ausgang der sechziger Jahre zu verzeichnen. Der Bau der Bahnlinie von Belgrad nach Konstantinopel setzte eine sorgfältige topographische Aufnahme voraus. Mit den Arbeiten im Bereich Bulgariens wurde der Wiener Geologe F. v. H o c h s t e t t e r betraut. Auf gebahnten und ungebahnten Wegen durchzog er 1869 das Land und brachte neben reichem geologischen Material zahlreiche Routenaufnahmen mit nach Hause. In Hochbulgarien konnte er sogar das Gebiet zwischen Sofia, Tatar Pazardzik, Küstendil und Samokov lückenlos kartieren. Das Ergebnis dieser Arbeit ist in einer „Originalkarte der Central-Türkei" (l : 420 000) in Pet. Mitt., 1872, Tafel l niedergelegt. Insgesamt ergaben die durch den Bahnbau notwendig gewordenen topographischen Aufnahmen, an denen außer Hochstetter ein Stab von Ingenieuren teilhatte, eine Ausbeute von 274 Krokis in den Maßstäben l : 25 000, l : 28 800, l : 75 000, l : 100 000 und l : 400 000. Die Sammlung liegt im Archiv des Wiener Militärgeographischen Instituts und bildete einen wertvollen Grundstock für spätere Arbeiten.
Im Jahre 1870 trat Felix K a n i t z , der sich damals schon durch seine Forschungen in Serbien einen Namen gemacht hatte, seine erste größere Reise nach Bulgarien an. Bis 1874 widmete er diesem Lande seine ganze Arbeitskraft, und das als Frucht rastloser Tätigkeit veröffentlichte dreibändige Werk „Donau-Bulgarien und der Balkan" (Leipzig 1875—78) gehört zu den geographischen Glanzleistungen dieser Epoche. Vorstudien gehen bis auf das Jahr I860 zurück; Ergänzungen sammelte Kanitz auf weiteren Reisen bis zum Jahre 1879, so daß sich noch besser als in der 1. Auflage die Gesamtleistung dieses hervorragenden Gelehrten in der 2. Auflage von 1882 beurteilen läßt. Neben dem reichen kulturhistorischen Stoff enthält das Werk eine Fülle topographischer Neuigkeiten aus der Stara Planina und Nordbulgarien. Kanitz hat das erarbeitete Material selbst in einer „Originalkarte von Donau-Bulgarien und dem Balkan" (l : 420 000) niedergelegt, die dem 3. Bande seines Werkes beigegeben ist8). Das dargestellte Gebiet reicht von der serbischen Grenze mit Einschluß der Becken von Pirot und Nis bis zum Schwarzen Meer und von der Donau bis zur Breite Sofia — Burgas. Das Gelände ist braun geschummert, das Gewässernetz blau gedruckt; die Verkehrswege sind in ihrer verschiedenen Wertigkeit unterschieden. Nach der Fachkritik konnte die Karte „als ein gewaltiger Fortschritt in der Kenntnis des nördlichen Teiles der Balkan-Halbinsel gelten"9).
Gleichartige Leistungen haben die Reisenden der späteren Zeit nicht mehr aufzuweisen. R o c k s t r o h s Kartenskizze der „Quellseen des Kara Iskra (= Isker) und der Kriva Rjeka" im Rila Gebirge (ca. l : 144 000) ist zwar inhaltsreich, aber räumlich recht begrenzt10). Eine andere Karte zeigt mit einigen Berichtigungen den „Lauf der Struma" zwischen Rilska Reka und Bistrica (1:1 000 000) 11). Wertvoller ist die Routenaufnahme des Wiener Geologen Franz T o u l a, der 1875 als erster Forscher den Iskerdurchbruch vollständig begangen und kartiert hat (l : 288 000)12). 1893 erschien ein Kärtchen von L. D i m i t r o v über das Vitoša-Massiv (l : 150 000)13), das aber einen Vergleich mit der in demselben Maßstab vom Belgrader Geographen J. С v i j i ć im Jahre 1898 veröffentlichten farbigen Höhenschichtenkarte (Stufen zu je 300 m) über das Rila-Gebirge nicht aushalten kann14). Cvijics Karte wurde zwar unter Zugrundelegung der russischen Aufnahme l : 126 000 (s. u.) entworfen, kann aber in Anbetracht der zahlreichen Berichtigungen (eigene Höhenmessungen, Eintragung von Karen, Moränen, Rundhöckern und bisher unbekannten Seen) als Originalarbeit gelten. Die Hauptkarte, an deren Entwurf K. P e u c k e r mitwirkte, wird durch 4 Spezialdarstellungen der „Kare des Rila-Gebirges" im Maßstab l : 45 000 ergänzt.
Mit Cvijic schließt die Periode
privater kartographischer Aufnahmen alten Stils in Bulgarien ab. Die in
der
Zwischenzeit erschienenen großen russischen und
österreichischen Kartenwerke
konnten durch die bis dahin üblichen, mit einfachen Mitteln
durchgeführten
Routenaufnahmen keine wesentliche Ergänzung mehr erfahren.
Andererseits
vermochten die russischen und österreichischen Generalkarten nach
der
Jahrhundertwende und nach dem Weltkriege den erhöhten
Anforderungen des
Militärs und der Wissenschaft nicht mehr zu genügen. Dies
gilt insbesondere für
die nach dem zweiten Balkankrieg im Jahre 1913
an Bulgarien
gefallenen, ehemals türkischen Gebiete im Süden des Landes,
für deren
Darstellung das Wiener Militärgeographische Institut nur
dürftige Unterlagen
hatte. Diese Tatsache rechtfertigt die Durchführung der
trigonometrischen und
stereophotogrammetrischen Arbeiten, die H. L o u i s 1926 in Südwest-Bulgarien begonnen und 1927 zu Ende geführt hat. Als
Grundlage für seine morphologischen Untersuchungen schuf er die
„Karte des
Pirin-Gebirges" im Maßstab l :
100 000 mit
Höhenlinien von 100 zu 100
bzw. 50
zu 50 Metern15).
Sie beruht auf einer mit Hilfe der
Sprenger-Weiß-Kippregel durchgeführten
Meßtischtriangulation, die an 4
Punkte des alten
bulgarischen Netzes angeschlossen wurde. Obwohl auf die
Benutzung eines Theodoliten verzichtet werden mußte und viele
Zwischenpunkte
nur durch Kompaßrundpeilungen (vom Stativ) festgelegt wurden, ist
eine
hochwertige Karte entstanden. Der verhältnismäßig
kleine Maßstab scheidet alle
Lagefehler, die nirgends 100 m übersteigen dürften,
wieder
aus. Das aufgenommene Gebiet, das sich von der Struma über
den Pirin zur Mesta
erstreckt, umfaßt etwa 2500 qkm. Das wesentlichste
Ergebnis der Aufnahme war, daß der Pirin nicht N—S,
sondern stärker NW—SO streicht als früher angenommen
wurde, daß der Hauptgipfel El Tepe über 200 m
höher ist als ihn die
österreichische Generalkarte angibt16), und daß
das Massiv im ganzen
ca. 500 m höher aufragt, als man bisher glaubte.
Auch die
ältere Darstellung des Strumalaufes mußte berichtigt werden.
Das rund 70 qkm umfassende Gebirgszentrum nahm Louis
außerdem stereophotogrammetrisch
im Maßstab l : 25 000 auf. Diese durch Krokis
vervollständigte
„Spezialkarte des Zentral-Pirin" zeigt Isohypsen im Abstand von 25 zu
25 m mit stellenweise eingeschalteten
12,5-m-Linien. Felshänge, Kare und Schuttfelder sind besonders
herausgearbeitet
worden.
5) M a r s i g l i, La
Hongrie et
le Danube. La Haye 1741.
6) A. B o u é, Die Europäische Türkei. Wien 1889. Vgl. auch Fußnote 4. Eine ausführliche Würdigung der Arbeiten Boués und anderer Balkanforscher gibt V. H a a r d t v. H a r t e n t h u r n in einer umfassenden Arbeit über „Die Kartographie der Balkanhalbinsel im 19. Jahrhundert", Mitt. d. Militärgeogr. Instituts Wien, Bd. XXI—XXIII, Wien 1901—1903, ferner W. S t a v e n h a g e n, Skizze der Entwicklung und des Standes des Kartenwesens des außerdeutschen Europa. Pet. Mitt. Erg.-Heft 148, Gotha 1904 und J. K o v a č e v, Beitrag zur Geschichte der Kartographie von Bulgarien, Sborn. Akad. Nauk. XXIII, klon prir. mat. 10, Sofia 1928 (bulg.).
7)
Zeitschr. f.
allg. Erdk. Berlin, N. F. XVI, Berlin 1864, Tafel I.
8) Der einfarbige, vorläufige Abdruck im verkleinerten Maßstab l : 625 000 in Pet. Mitt. 1877, Tai. 16a ist leider mißglückt.
9) V. H a a r d t v. H a r t е n t h u r n , a. a. O. XXII, 1902, S. 179.
10) Mitt. Qeogr. Qes. Wien, Bd. XVII, 1874, S. 481 ff.
11) Jahresber. d. Vereins f. Erdk. Dresden, Bd. XI, 1874, S. 35 ff.
12) Mitt. Qeogr. Ges. Wien, Bd. XIX, 1876, Taf. 4.
13) Denkschr. Akad. Wiss. Wien, math. nat. KL, Bd. LX, 1893, S. 530.
14) Zeitschr. Ges. f. Erdk. Berlin, Bd.
XXXIII, 1898,
Taf. 8 u.
9, vgl. auch S. 253.
15) H. L o u i s, Morphologische Studien in Südwest-Bulgarien. Qeogr. Abh., hrsg. v. N. K r е b s, Stuttgart 1930, Taf. IX, X und S. 108 ff.
16) L o u i s ermittelte
2920
m, während eine
inzwischen durchgeführte trigonometrische Bestimmung 2914,7 m ergab. Die österreichische Karte
verzeichnet nur 2681 m.
II.
Gesamtdarstellungen privaten Charakters.
Nur wenige der in diesem
Abschnitt
genannten Kartenwerke beschränken sich auf das heutige
Staatsgebiet
Bulgariens. Sie sind in der Mehrzahl als „Karten des Osmanischen
Reiches"
oder der „Europäischen Türkei" entstanden und umfassen als
solche einen
weiteren Bereich Südosteuropas. Es kann sich daher hier nur
darum handeln, aus
der Fülle der Veröffentlichungen diejenigen auszuwählen,
die einen gewissen Originalwert
besitzen und den Staatsraum Bulgariens verhältnismäßig
groß-maßstabig
wiedergeben. Gesamtdarstellungen kleineren Maßstabs als l : l
500 000 werden daher nicht erwähnt.
Bei dem Mangel verläßlicher Vorarbeiten können wir im 18. Jahrhundert noch keine Kartenwerke von bleibendem Wert erwarten. Auf der 1774 erschienenen „Carte de la partie septentrionale de l'Empire Ottoman" von R i z z i – Z a n n o n i (ca. 1 : 1 400 000) ist der Unterlauf der Donau und die Hauptstreichrichtung des Balkan-Gebirges richtiger abgebildet als bei älteren Autoren. Andere Gebiete aber, wie z. B. die Rhodopen, sind völlig verzeichnet.
Das 19. Jahrhundert wird mit den Erkundungsreisen französischer Ingenieur-Offiziere eingeleitet, die auf Befehl Napoleons I. zwischen 1807 und 1812 Itinerare von den Hauptstraßenzügen im mediterranen Teil der Europäischen Türkei anfertigten. Die wichtigste der auf diesen Aufnahmen beruhenden Veröffentlichungen ist die 1822 in Paris erschienene „Carte générale de la Turquie d' Europe" des Chevalier L a p i е. Sie hat den Maßstab l : 816 000 und umfaßt mit 15 Blättern die ganze Halbinsel. Gegenüber den älteren schematischen Gebirgs-Raupen stellt die Karte das Gelände erstmalig, wenn auch reichlich fehlerhaft, in Schraffenmanier dar. Sie wirkt infolge Anwendung der schiefen Beleuchtung recht plastisch, obgleich Höhenangaben noch fehlen. Die Lapie'sche Karte ist später in mehr oder weniger verändertem Gewände wiederholt neu aufgelegt worden. Die Karte der С o t t a sehen Anstalt „Das Osmanische Reich in Europa" l : l 000 000 (München 1828), die W e i ß sche „Carte der europäischen Türkei" vom Jahre 1829 im Maßstab l : 576 000'(21 Blätter) und die 1843 im Maßstab l : 1 648 000 erschienene „Karte des jetzigen Bulgarien usw." von R u s s е t - Straßburg (4 Blätter) gehen in der Geländedarstellung nicht über Lapies Arbeit hinaus. Siedlungen, Verkehrswege und andere Kulturerscheinungen sind dagegen auf der W e i ß schen Karte in einer außergewöhnlich feinen wertmäßigen Differenzierung dargestellt. Einwohner- und Höhenangaben bilden eine neuartige Bereicherung dieser Karte.
In den fünfziger Jahren lagen für das bulgarische Staatsgebiet bereits die Itinerare und Pläne von Moltke, Boué und Viquesnel vor. Auf einer kritischen Verarbeitung dieses neuen Materials beruht H. K i e p e r t s „Generalkarte von der Europäischen Türkei" im Maßstab l : l 000 000, 4 Blatt, Berlin 185317). Viele der altüberkommenen Irrtümer hat Kiepert beseitigt; so löste er auch erstmalig auf Grund der Forschungen von Boué die „westöstliche Zentralkette" in die tatsächlichen Gebirgseinheiten auf. Kieperts Karte ist im Gegensatz zu älteren Darstellungen frei von willkürlichen Kombinationen. Deutlich heben sich in ihr jene Gebiete heraus, in denen die topographische Kenntnis vervollständigt werden mußte. In der Tat hat Kieperts Karte manchen Forscher zur Arbeit im noch unbekannten Balkan bestimmt. Die Schrumpfung der „weißen Flecken" ist auf der Neuausgabe der Karte vom Jahre 1870 ersichtlich18). Sie ist wie die ältere Darstellung im Maßstab l : l 000 000 gehalten; leider sind auch die Höhen unverändert in Pariser Fuß angegeben. 1877 erschien Kieperts „Neue Karte von Bulgarien" im Maßstab l : 540 000. Sie besteht aus 2 Blättern, zeigt geschummertes Gelände und ist reich an Ortsangaben. Die Höhenzahlen sind nunmehr in Meter und englische Fuß umgerechnet.
Als Ergänzung brachte Kiepert im gleichen Jahre eine „Karte vom östlichen Rumelien" und eine „Karte der Dobrudscha", beide ebenfalls im Maßstab l : 540 000, heraus.
Neben Kieperts Kartenwerken erlangten
in der 2. Hälfte des vorigen Jahrhunderts
diejenigen des österreichischen Obersten v. S с
h е d
a große praktische Bedeutung. Im Rahmen der „Generalkarte von
Central-Europa" l : 576 000 in Bonnescher Projektion
erschienen 1863/64 zwei Blätter Montenegro und
Serbien.
Das serbische Blatt bildet auch den nordwestlichen Teil
Donaubulgariens ab. Diese
und die im Jahre 1869 gleichfalls von J. v. Scheda
veröffentlichte „Generalkarte der Europäischen Türkei
und des Königreiches
Griechenland" im Maßstab l :
864 000 erfuhren eine
heftige Kritik
durch H. K i е р е r t. Der Altmeister der
Balkan-Kartographie bemängelte vor allem, daß auf den in
Kupfer gestochenen v.
Schedaschen Karten durch eine einheitliche klare
Geländedarstellung
topographische Kenntnisse vorgetäuscht werden, die nicht vorhanden
sind. Kanitz
meint im 1. Bande seines schon zitierten Werkes,
daß die v. Schedasche Karte nur in den südlichen Teilen der
Europäischen Türkei
einigermaßen verläßlich sei, soweit sie den
russischen Aufnahmen von 1828/29 folge (s. u.), daß sie aber
zwischen Philippopel und Nis, über den Balkan
bis zum Timok und von diesem donauabwärts bis Russe den Reisenden
vollkommen im
Stich lasse. Interessant ist das Urteil österreichischer
Erkundungsoffiziere,
die während der siebziger Jahre in der Europäischen
Türkei arbeiteten (vgl. S. 151)
und sowohl K i e p e r t s
wie v. S c
h e d a s Karten im Gelände
verglichen:
„Wohl erscheint die Kiepertsche ....
übersichtlicher..., doch
ist die Terraindarstellung in derselben nicht nur uncharakteristisch
und mangelhaft, sondern sie weist stellenweise Formen auf, welche weder
der Natur,
noch der Theorie entsprechen... Wenn dagegen auf der Schedaschen
Karte
mitunter haarsträubende Unrichtigkeiten vorkommen — so
ist im ganzen genommen, das Terrain viel charakteristischer dargestellt
und man kann sagen, daß hier der Zeichner wenigstens mit der
Theorie der
Terraindarstellung vertraut gewesen ist. Die Lage der flauptorte, sowie
der Hauptcommunicationen
sind zum großen Teile in der Kiepertschen Karte richtiger"19).
Oberst v. Scheda hat 1876 eine verbesserte Auflage der
großen Generalkarte (l : 864
000) herausgebracht. In
der
Folgezeit wurde sie noch dreimal durch A. Steinhauser
überarbeitet. 1880, 1885 und 1891
erschien sie im alten
Maßstab
unter dem neuen Titel „Generalkarte von Bulgarien, Rumelien und Macedonien" bzw. „Generalkarte der Balkanhalbinsel"
(13 Bl.). K. Vogel bemängelt zwar die
Drucktechnik, hat sie
aber sonst freundlich besprochen (Pet. Mitt. 1892,
S. 92).
Die privaten
Übersichtsdarstellungen
des 19. Jahrhunderts schließen mit 2 Meisterleistungen
deutscher Kartenkunst ab. 1880
erschien H. K i e
p e r t s „Generalkarte der Unter-Donau- und Balkan-Länder"
im Maßstab l : l 500
000. Sie war wie alle
Karten Kieperts
sorgfältig durchgearbeitet und erfuhr bereits 1885
eine Neuausgabe.
Ein würdiges Gegenstück bildete K. V o g e l s Karte
der „Balkan-Halbinsel" in Stielers
Handatlas vom Jahre 1890. Die vierblättrige Karte hat
den gleichen Maßstab wie Kieperts letztgenannte
Veröffentlichung. Beiden
Autoren standen bereits die russischen und österreichischen
Aufnahmen der
letzten Jahrzehnte zur Verfügung, und beide haben das Verdienst,
diese für ihre
Darstellung gründlich ausgewertet zu haben. Vogels Karte, die
unter Mitwirkung
des erfahrenen kartographischen Stabes von Justus Perthes in Gotha
entstanden
ist, mußte in mancher Hinsicht der Kiepertschen Arbeit
überlegen sein.
Abgesehen von der vorzüglichen technischen Ausführung „hat
die Karte eine
eminente wissenschaftliche Bedeutung, und sie steht damit in aller und
jeder Beziehung
auf der vollen Höhe der Zeit"20).
17)
Über die benutzten Quellen unterrichtet Kiepert ausführlich
in seinen
„Erläuterungen zur Generalkarte der Europäischen
Türkei", Berlin 1853, 2. Abdr. 1855.
18) Vgl. dazu den „Vorbericht zur Generalkarte
der europäischen Türkei". Berlin 1870.
19) V. H a a r d t v. H a r t е п t h u r n , a. a. O., Bd. XXI,
1901, S. 292 ff.
20) V. H a a r d t v. H a r t е п t h u r n , a. a. O., Bd. XXII, 1902, S. 459.
III.
Die russischen kartographischen Arbeiten in Bulgarien.
Die im Laufe des vorigen Jahrhunderts
zwischen Rußland und der Türkei ausgetragenen Kriege
bedeuten für Bulgarien den
Beginn einer systematisch durchgeführten staatlichen
Landesaufnahme. Das Fehlen
eines militärisch brauchbaren großmaßstabigen
Kartenwerks zwang die Russen zu
eigenen topographischen Arbeiten in den von ihren Truppen
besetzten Gebieten
der Europäischen Türkei21).
Die Grundlage der Vermessungen während des Feldzuges 1828/29 bildeten astronomische Ortsbestimmungen. Dem Verlauf der Flüsse und den Verkehrswegen folgte dann die instrumentelle Aufnahme; das zwischen diesen Hauptrouten gelegene Gelände wurde à la vue krokiert. Nach dieser bereits in Sibirien erprobten Methode nahmen die russischen Offiziere in den Kriegs- und Nachkriegsjahren (1828—33) große Teile Ost-Rumeliens, Nord- u. Westbulgariens in den Maßstäben l : 42 000 und l : 84 000 auf. Das Ergebnis der Arbeit bildeten folgende Veröffentlichungen: С h a t o v , „Bulgarien", l : 840 000, 1828 — P o z n i a k o v und M е d n i k o v, „Karte des Kriegsschauplatzes in der Türkei", l : 420 000, 1828/29 — Topographisches Depot, St. Petersburg, „Karte der Europäischen Türkei", l : 420 000, 1831 — Topographisches Depot, „Karte des östlichen Bulgarien", l : 84 000, 1848—54 und die von derselben Behörde herausgegebene „Topographische à la vue Aufnahme des östlichen Rumelien", l : 84 000 vom Jahre 1850.
Die erwähnte 10-W e r s t – K a r t e d e r E u r o p ä i s c h e n T ü r k е i (l" = 10 Werst22) = l : 420 000) vom Jahre 1831 umfaßt 20 Blätter und greift weit über den heutigen bulgarischen Staatsraum hinaus. Das Gelände, aus dem sich das Flußnetz kaum abhebt, ist in einer wenig plastischen Schummerung dargestellt. An sich ist jedoch die Karte reich an neuen topographischen Daten und bringt unter Verwendung vieler Spezialsignaturen wertvolle Angaben über Größe, Bedeutung und Zustand der Siedlungen und der Verkehrswege. Die 1850 erschienene 2-W e r s t – K a r t e v o n O s t – R u m e l i e n beruht zwar nur auf rohen Krokis vom Jahre 1829, enthält aber dennoch zahlreiche Einzelangaben, so daß selbst verstreute Melkplätze, Brunnen und Quellen auf der Karte verzeichnet sind.
Im Einvernehmen mit der türkischen Regierung bereisten russische Offiziere nach Abschluß des Krim-Krieges in den Jahren 1867—69 das Land, um die wichtigsten Punkte für eine z u k ü n f t i g e T r i a n g u l a t i o n zu ermitteln. 31 neue Fixpunkte wurden astronomisch bestimmt und südlich Russe und Varna 5 Itinerare aufgenommen. Auf zwei Erkundungsreisen von Svistov über Sofia zur griechischen Grenze bzw. von Vidin über Nis, Pristina nach Bitolj sollten die Möglichkeiten für die Legung einer nord-südlichen Dreieckskette geprüft werden. Gleichzeitig traf das Topographische Büro in St. Petersburg die Vorbereitungen für eine neue „Karte der Europäischen Türkei" im Maßstab l : 420 000, während die Militärakademie des russischen Generalstabs den Plan zu einer „Karte der Türkei" l : 840 000 faßte. Die am Ausgang der sechziger Jahre begonnene 10 - W е r s t - K a r t е (l : 420 000) war wie jene vom Jahre 1831 in 20 Blätter (69,1 : 45,7 cm) aufgeteilt und ist, obwohl sie eine amtliche Karte war, unter dem Namen ihres Bearbeiters A r t a m a n o v allgemein bekannt geworden. Sie ist in Gaußscher Kegelprojektion entworfen. Der Kegel berührt das Ellipsoid auf 43° n. Br. Der Mittelmeridian liegt 7° 30' westlich Pulkovo23) und durchschneidet das serbisch-bulgarische Grenzgebiet. Das Gelände ist rot geschummert, die Bedeutung der Siedlungen wird durch abgestufte Signaturen kenntlich gemacht. Die Karte bringt für den östlichen Teil der Halbinsel viel Neues, ist aber für das mittlere Bulgarien ganz unbrauchbar. So waren trotz aller Vorarbeiten die der russischen Armee bei Ausbruch des Krieges 1877/78 zur Verfügung stehenden kartographischen Unterlagen höchst mangelhaft. Es ist bezeichnend und gleichzeitig eine hohe Anerkennung für Felix K a n i t z, daß seine „Karte von Donau-Bulgarien und dem Balkan" (s. o.) dem russischen Heer als Operationskarte dienen mußte.
Den ursprünglich gefaßten
Plan, nur
eine Revision und Ergänzung der aus den Jahren 1828/29
stammenden
Aufnahmen (l : 84 000) vorzunehmen, ließen die
russischen
Militärs bald fallen, da sich die geodätischen
Grundlagen der alten Karte als
ungenügend erwiesen und überdies viele Ortschaften und
Verkehrswege
beträchtliche Lageänderungen erfahren hatten. So entschloss
man sich zu einer
völligen Neuaufnahme im Maßstab l : 42 000 nach einer durch die
Schwierigkeiten des Kriegszustandes bestimmten „expeditiven" Methode24).
Triangulatoren und Topographen mußten gleichzeitig arbeiten; die
Topographen
konnten nicht warten, bis ihnen die trigonometrisch bestimmten
Festpunkte zur
Verfügung standen.
Sie mußten sich selbst Grundlinien messen, „darauf graphische Triangulierungen basieren und bedacht sein, in ihr graphisches Netz so viele von den bereits mit Signalen versehenen, aber noch nicht berechneten trigonometrischen Punkten einzubeziehen, als erforderlich waren, um nachträglich die ohne Sektionsrahmen aufgenommenen Blätter in die richtige Lage bringen zu können"25).
Mit den Kartierungsarbeiten wurden zu
Beginn des Krieges 40 Topographen beauftragt, denen es
trotz mannigfacher Hindernisse gelang, noch vor dem Ende des Jahres 1877 das Gebiet zwischen Donau und Balkan einerseits
und zwischen Jantra und Vid
andererseits trigonometrisch zu vermessen und aufzunehmen. 1878 wurde das topographische Korps um mehr als das
Doppelte vergrößert. Mit dem
Vorrücken der Truppen konnten in diesem Jahre die Vermessungen auf
das übrige
Bulgarien und Ost-Rumelien ausgedehnt werden. Das ganze Gebiet wurde
von einem
D r e i e c k s n e t z überzogen,
das
man nur im Bereich der Stara Planina wegen der
Geländeschwierigkeiten in acht
parallele, das Gebirge querende Dreiecksketten auflösen
mußte. Das bulgarische
Netz wurde zur besseren Kontrolle mit 11 Punkten
der österreichischen
Triangulation in Rumänien (1855/56)
und mit 2 Punkten des russischen Hauptnetzes verbunden.
Die Grundlage der russischen Aufnahme von 1877/78 bildeten sechs 3—5 km lange B a s i s l i n i e n, von denen fünf im heutigen Staatsgebiet Bulgariens liegen. In 3500 Tagewerken haben mehr als 180 Topographen bei einem Kostenaufwand von 100 000 Rubel etwa 120 000 qkm aufgenommen und 14 000 qkm rekognosziert. 1274 Punkte wurden trigonometrisch festgelegt und deren Seehöhe bestimmt, ferner die Lage von 52 Fixpunkten im Bereich des Balkan-Gebirges astronomisch und die Länge von 37 Punkten telegraphisch ermittelt. Darüberhinaus führte man allein in Westbulgarien 57 300 barometrische Höhenmessungen durch, die sich auf das überall als gleich angenommene Niveau des Schwarzen-, Marmara-und Ägäischen Meeres beziehen.
Als erstes Ergebnis der russischen Aufnahme erschien noch während des Krieges in photolithographischer Vervielfältigung eine Karte der nordbulgarischen Tafel zwischen Jantra und Lom im Originalmaßstab der Vermessung l : 42 000, die noch für die weiteren Kriegshandlungen Bedeutung erlangte. Auch eine Karte der Donau-Übergangsstelle des russischen Heeres wurde im gleichen 1-Werst-Maßstab veröffentlicht. Umgebungskarten von Pleven, Nikopol, Zimnica., Svistov und vom Sipka-Paß gab der Generalstab als 1/2-Werst-Karten im Maßstab l : 21 000 heraus.
1884 erschien in St. Petersburg das kartographische Hauptwerk des Feldzuges, die „K a r t e d e s T e i l e s d e r B a l k a n – H a l b i n s e l, d e r d a s g a n z e K r i е g s t h е a t е r v o n 1877 b i s 1878 u m f a ß t" im Maßstab von 5 Werst auf den Zoll = l : 210 000. Der Karte liegt eine auf das Walbecksche Ellipsoid bezogene Polyederprojektion zugrunde. Sie besteht aus 62 chromolithographisch vervielfältigten und nach dem Gradkarten-System abgeteilten Blättern, so daß jedes Blatt (27 : 30 cm) einen Raum von 45 Längen- und 30 Breitenminuten umfaßt. Das Gradnetz ist auf den Meridian von Pulkovo bezogen. Das Relief wird durch braune Isohypsen im Abstand von 10 Saschen (= 21,34 m) und zahlreiche Höhenkoten anschaulich wiedergegeben. Seen, Sümpfe und breite Flüsse sind blau, die Waldflächen grün angelegt. Das Wegenetz erscheint in 5 Abstufungen; Ortschaften, Klöster, Kirchen, Moscheen, Einzelhöfe usw. werden durch mannigfach differenzierte Signaturen gekennzeichnet. Die Beschriftung ist kyrillisch. Jedes Blatt ist mit einer ausführlichen Legende versehen, wodurch die Benutzung von einzelnen Blättern sehr erleichtert wird. K. V o g e l beschließt seine Besprechung dieses wichtigen Kartenwerks, das die größten Teile des heutigen Bulgarien umfaßt, mit den Worten: „Mag nun die geometrische Genauigkeit ... an einigen Stellen mehr oder weniger anfechtbar sein ..., so läßt doch die vollendete topographische Form und die Einheitlichkeit der Darstellung auf eine sehr gewandte, sich ihrer Aufgabe bewußte Redaktion schließen, der man volle Anerkennung zollen muß"26).
Auf dem gleichen Urmaterial wie die
Karte l : 210 000 beruht eine „S p e z i a l k a r t e d e s w
e s t l i c h e n B u l g a r i e n", die bereits 1882 im Maßstab l : 126 000 veröffentlicht
und 1895 über das ganze Land ausgedehnt wurde.
Diese „3 –
W e r s t – K a r t e d e r
ö s t l i c h e n H ä l f
t e d e r B
a l k a n h a l b i n s e l" besteht ebenso wie die ältere
5-Werst-Karte
aus 62 Blättern und schließt sich
dieser auch
nach Projektion, Orientierung und Geländedarstellung völlig
an. Nur der
Waldaufdruck fehlt. An die Öffentlichkeit kamen die
Umdruckblätter des im
Original als Kupferstich ausgeführten Kartenwerks.
21)
Literaturnachweis für die folg. Ausführungen (außer H a
a r d t v. H
a r
t e n t h u r n, 1901—03 und S t a v e n h a g e n, 1904, a.a.O.): M. L e b e d e v, Beschreibung der
in den Jahren 1877, 1878 und 1879
in Bulgarien
ausgeführten
Triangulation. Sapiski
voeno-topograficeskato otdela glavnago staba, Bd. XLIII,
23) Pulkovo bei St. Petersburg = 30° 19' 39" östl. Greenwich.
24) In unbesiedelten Gebieten
wurde z. T. auch im Maßstab l :
84 000 kartiert.
25) H a r t l a. a. O.,
S. 78.
26) Pet. Mitt. 1888, S. 299.
IV.
Grundlagen und Ergebnisse der österreichischen Kartographie
in
Bulgarien.
Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts
machte sich im österreichischen Generalstab immer stärker das
Bedürfnis
geltend, die zahlreichen kartographischen Erscheinungen über
die einzelnen
südosteuropäischen Länder in einem umfassenden
Kartenwerk zu verarbeiten, um im
Falle eines Krieges über eine großräumige Darstellung
einheitlichen Maßstabes
verfügen zu können27).
Ausgang der sechziger Jahre faßte daher das Wiener Militärgeographische Institut den Plan, durch heliographische Vergrößerung der kurz zuvor erschienenen v. S с h е d a schen Karte l : 576 000 (s. o.) eine neue „G e n e r a l - K a r t e v o n C e n t r a l – E u r o p a" im Maßstab l : 300 000 zu schaffen. Das Original wurde 1872 vom österreichischen Kriegsministerium käuflich erworben und die Vergrößerung der Karte bald in Angriff genommen. Der Versuch, das neue Kartenwerk auch auf die Balkanländer auszudehnen, mißlang aber zunächst, da man zahllose Widersprüche mit neu zugezogenem Urmaterial nicht klären und viele Lücken nicht ausfüllen konnte. So entschloß sich das Militärgeographische Institut in Wien, eine Anzahl von Offizieren zur Aufnahme noch fehlender Routen in den Balkan zu entsenden. In Bulgarien waren fünf solcher V e r m e s s u n g s t r u p p s von 1871 bis 1875 tätig28). Am intensivsten wurde der Norden und der Westen des Landes bearbeitet. Durch die südbulgarische Niederung (Ost-Rumelien) und die Rhodopen konnten nur einige Routen gelegt werden; der größte Teil der Stara Planina, die subbalkanische Beckenflucht und die Sredna Gora blieben unbereist. Mit Hilfe eines astronomischen Universalinstruments, einiger Taschenchronometer, Aneroide und Thermometer wurden in Bulgarien und in den anderen südosteuropäischen Ländern während der genannten Jahre mehr als 500 Punkte astronomisch und 400 Punkte trigonometrisch bestimmt, ferner 4600 flöhen barometrisch gemessen. Gleichzeitig krokierten geübte Topographen das begangene Gelände. Der Maßstab dieser Aufnahmen liegt zwischen l : 50 000 und l : 500 000, entspricht jedoch meist dem der damaligen österreichischen Spezialkarte l : 144 000. Vergleiche der astronomisch bestimmten Ortslagen mit den auf der K i е p е r t schen und v. S с h е d a schen Karte verzeichneten Längen und Breiten ergaben Abweichungen von 5—7 km, gelegentlich von 10—15 km und in einem Falle sogar eine Differenz von 37 km.
Im Jahre 1873 ging das Wiener Institut an den Entwurf der 37 „F u n d a m e n t a l – B l ä t t e r" des neuen Kartenwerks, das die ganze Europäische Türkei umfassen sollte. Auf den zunächst im Maßstab l : 288 000 gehaltenen Blättern wurden die von den österreichischen Offizieren bestimmten Festpunkte verzeichnet. Die Gerüstkarten verkleinerte man sodann auf l : 300 000 und übertrug auf sie die Ergebnisse der Routenaufnahmen. Die Arbeiten an diesem großen Kartenwerk schritten derartig schnell voran, daß bereits 1877 Spezialausgaben über Bulgarien erscheinen konnten.
Die „G e n e r a l – K a r t e v o n C e n t r a l – E u r o p a" ist wie die v. S с h е d a sche Karte in Bonnescher Projektion entworfen, deren Mittelmeridian östlich Wien verläuft. Die Längen sind auf Paris bezogen (2° 20' 14" östl. Greenwich). Jedes Blatt ist 48 : 42 cm groß. Das Gelände ist in braunen Schraffen dargestellt, ebenso sind die Waldflächen braun begrenzt, jedoch auf späteren Ausgaben (z. B. 1884) grün angelegt. Die Beschriftung ist schwarz und benutzt die kroatische Transkription.
Die Generalkarte l : 300 000 blieb bis zum Erscheinen der russischen 3- und 5-Werst-Karte die zuverlässigste Militärkarte der Balkanhalbinsel. Mit ihrer Hilfe prüfte der Berliner Kongreß 1878 die Vorschläge über die neuen Grenzziehungen. Eine im genannten Jahr vom Wiener Militärgeographischen Institut in 7 Blättern herausgegebene „Geripp-Karte der Balkan-Länder" l : 500 000 stellt eine verkleinerte Kopie der Generalkarte dar.
Eine weitere Ausnutzung erfuhr die Generalkarte bei der Herstellung der „Ü b e r s i c h t s k a r t e v o n M i t t e l – E u r o p a" im Maßstab l : 750 000 (1882—86). Von den 45 Blättern entfallen 7 auf Bulgarien. Sie bilden rechteckige Ausschnitte im Format 39 :33 cm, die wie bei allen in Bonnescher Projektion gezeichneten Kartenwerken keine Beziehung zum Gradnetz haben. Die Meridiane zählen nach Ferro (17° 39' 46" westl. Greenwich). Infolge des wesentlich kleineren Maßstabes und der dadurch bedingten stärkeren Generalisierung hat die Übersichtskarte l : 750 000 gegenüber ihrer Vorlage, der Generalkarte l : 300 000, an Genauigkeit gewonnen. Sie ist als Heliogravüre im Vierfarbendruck erschienen und zeigt auch eine höherstehende technische Ausführung als die ältere Generalkarte. Das Gelände wird durch braune Schraffen dargestellt. Die Gewässer sind blau, die Hauptstraßen rot, Eisenbahnen, Nebenstraßen, Ortszeichen und Schrift sind schwarz (Tafel 1).
Die Generalkarte l : 300 000 hat für einige Jahre wertvolle Dienste geleistet, konnte aber schon ihrer Entstehung nach (Routenaufnahme, keine exakte Triangulation!) nicht für die Dauer bestimmt sein. Gegen Ende der achtziger Jahre war sie bereits durch eine Anzahl inzwischen ausgeführter Landesaufnahmen überholt. 1877—79 hatten die Russen in Bulgarien gearbeitet, 1880—83 war die Dobrudscha vom rumänischen Generalstab aufgenommen worden, 1887—93 hatte Serbien eine neue Topographische Karte erhalten, und ebenso waren 1889 in Griechenland die Vorbereitungen zu einer Triangulation I. Ordnung getroffen worden. Bei der Fülle des neuen Materials erschien eine bloße Berichtigung der Generalkarte l : 300 000 unmöglich. So mußte sich das Wiener Militärgeographische Institut entschließen, seine 1887 begonnene n e u e „G e n e r a l k a r t e v o n M i t t e l e u r o p a" im Maßstab l : 200 000 über den Südosten auszudehnen. 1891 wurde die Zeichnung der ersten Balkanblätter in Angriff genommen. Die bulgarische Serie eröffnete Blatt Pleven, das im Jahre 1897 erschien (Tafel 2). 1903 lagen von den insgesamt 24 bulgarischen Blättern 19 fertig vor. Es fehlten noch die fünf nördlichsten, über die Donau nach Rumänien übergreifenden Sektionen. Im Weltkrieg kamen auch diese letzten Blätter heraus.
Das Kartenwerk ist völlig unabhängig von der älteren Generalkarte entstanden. Der Projektion nach handelt es sich um Gradkarten von 1° Höhe und Breite mit den ganzen Graden in der Mitte des Blattes. Es entstanden so trapezförmige, jedoch fast ein hohes Rechteck darstellende Blätter (ca. 42 : 55 cm), die nach ihrem mittleren Längen- und Breitengrad, sowie dem wichtigsten Ort benannt sind, z. B. 41° 43° Sofia. Die Längenangaben beziehen sich auf Ferro.
Die Karte wird heliographisch im Vier- bzw. Fünffarbendruck (Grenzblätter!) vervielfältigt. Das Gelände ist in braunen, an Felsabstürzen verstärkten Schraffen dargestellt. In wenig bekanntem Gelände wurde zu einer durch Formlinien unterstützten Schummerung gegriffen (z. B. im südlichen Teil des Blattes 41° 42° Dzumaja). Die Gewässer sind blau, der Wald grün, Ortssymbole, Verkehrswege, Schrift usw. schwarz. Wie auf der alten Karte l : 300 000 wurde die kroatische Schreibweise benutzt.
Die Generalkarte l : 200 000 stellt — obgleich sie sich in
wesentlichen Teilen auf die russischen Aufnahmen stützt — eine
hervorragende Leistung der österreichischen Kartographie dar und
wird
sich bis zum Erscheinen eines modernen, ähnlich umfassenden
Kartenwerks ihre
Bedeutung für militärische und wissenschaftliche Zwecke
bewahren.
Nicht zu verwechseln mit der Übersichtskarte l : 750 000 in Bonnescher Projektion aus den Jahren 1882—86 und den noch im Handel befindlichen verbesserten Neuausgaben (Tafel 1) ist die „Ü b е r s i с h t s k a r t е v o n M i t t e l e u r o p a" gleichen Maßstabs in der Albersschen Projektion. Die Ausarbeitung dieses Kartenwerks begann nach der Jahrhundertwende auf der Grundlage der Generalkarte l : 200 000. Das bulgarische Staatsgebiet verteilt sich auf 5 Blätter, die zwischen 1901 und 1911 erschienen sind. Ein Blatt der neuen Karte l : 750 000 enthält den Raum von 12 Generalkarten. Die nördliche und südliche Begrenzung der Blätter stellen Kreisbögen dar. Die Zeichnung greift jedoch nach allen Seiten über die theoretischen Gradnetzgrenzen hinaus, so daß rechteckige Ausschnitte hergestellt werden konnten. Die Blätter überschneiden sich etwas, wodurch ihr Gebrauch im Gelände erleichtert wird. Die Topographie ist auf den einzelnen Blättern verschieden dargestellt: hypsometrisch, schraffiert und braun geschummert. Die Hauptstraßen bilden rote Doppellinien. Wald, Gewässer, Schrift Usw. gleichen in der Darstellung der Karte l : 200 000.
Von den Veröffentlichungen des
Wiener
Militärgeographischen Instituts sei abschließend die 1887 im Maßstab l : l
200
000 erschienene
Darstellung des „E u r o p ä i s c h e n O
r i e n t s" erwähnt. Es ist der erste
Versuch einer farbigen Höhenschichtenkarte der gesamten
Balkanhalbinsel. Die
Wahl von 500-m-Stufen hatte leider zur Folge, daß sich die
Gebirgsstruk-turen
nicht überall klar herausarbeiten ließen.
27) Außer
den laufenden Berichten in den Mitt. d.
Militärgeogr. Inst. Wien und den in Fußnote 6 und
21 zitierten Abhandlungen informieren folg.
Arbeiten über die Geschichte der
österreichisch-ungarischen Kartographie: V. H a a r d t v. H a r t e n t h u r n, Begleitworte
zu den Blättern der Generalkarte l : 200 000, welche die Balkan-Halbinsel betreffen.
Mitt.
Militärgeogr. Inst. Wien, Bd. XVII, 1897. - W. S t a v e n h a g e n, Die
geschichtliche Entwicklung des österreichisch-ungarischen
Kartenwesens.
Zeitschr. Ges. f. Erdk. Berlin, Bd. XXXIV, 1899.
28) Zu
den in Bulgarien arbeitenden Offizieren gehörten hervorragende
Kartographen
wie Heinrich H a r t l und die Brüder
Robert und Heinrich v o n S
t e r n e c k.
V. Die bulgarischen Kartenwerke.
Bereits
vor der Schaffung des
„Staatlichen Geographischen Instituts beim Kriegsministerium" hatten
sich
private Kreise in Bulgarien die Herausgabe von Kartenwerken zur
Aufgabe
gemacht, die für den Gebrauch im Lande bestimmt und daher
erstmalig in
bulgarischer Sprache beschriftet waren. So erschien 1843 die S. 145 erwähnte „Karte des jetzigen
Bulgarien"
von Russet im Maßstab l : l 648
000 und 1863 im Verlag von Danov (Plovdiv) eine vierblättrige „Karte der
Europäischen Türkei", als deren Herstellungsort Wien
angegeben ist. 1892 brachte Krivošiev im gleichen Verlag
seine „Karte von Bulgarien und den
angrenzenden Ländern" mit kyrillischer Beschriftung heraus. Die
Vervielfältigung
hatten Freytag und Berndt in Wien übernommen. Schon der
Maßstab l : 420 000 verrät, daß sich dieses 10
Blatt umfassende
Kartenwerk eng der russischen Aufnahme anschließt. Aber auch die
österreichische Generalkarte l :
300 000 wurde stark
ausgewertet.
Nach der Befreiung Bulgariens von der osmanischen Herrschaft (1878) und der Schaffung eines eigenen Heeres war auch die Gründung einer militärgeographischen Zentralstelle nach Berliner und Wiener Vorbild notwendig geworden. 1891 trat sie als „Topographische Abteilung beim Generalstab" ins Leben. Nach mehrfachem Wandel der Bezeichnung (Statistisch-topographische Abteilung; Kartographisch-topographische Abteilung; Militärkartographisches Institut) erhielt die abwechselnd dem Generalstab und dem Kriegsministerium unterstehende Einrichtung im Jahre 1919 den Namen „S t a a t l i c h e s G e o g r a p h i s c h e s I n s t i t u t". Die Aufgabe des Institutes ist, für die Zwecke des Kriegsministeriums und sämtlicher anderen Ministerien geodätische, topographische und kartographische Arbeiten durchzuführen. Überdies unterstützt es durch Sonderarbeiten und Herstellung von Spezialkarten die landeskundliche Erforschung Bulgariens. Seit 1924 ist dem Institut eine G e o d ä t e n – S c h u l e angegliedert, in der der wissenschaftliche Nachwuchs für das Studium in Deutschland vorbereitet wird und technische Kräfte voll ausgebildet werden können. Seit 1922 erscheint ein „J a h r b u c h d e s S t a a t l i c h e n G e o g r a p h i s c h e n I n s t i t u t s", das über die laufenden Geländearbeiten und die kartographischen Veröffentlichungen Auskunft gibt20). Die Aufsätze sind in bulgarischer Sprache verfaßt und z. T. mit deutschen oder französischen Zusammenfassungen versehen.
Das Institut nahm 1891 unverzüglich die Arbeit auf. Sein erstes Projekt war großzügig, ging aber noch über die Kräfte des jungen Staates. Man hatte nämlich — obwohl die russischen Kartenwerke gerade erschienen waren — den Plan gefaßt, eine exakte Landesaufnahme im Maßstab l : 75 000 durchzuführen. Bereits 1894 war der österreichische Hauptmann Trepal mit den Vorbereitungen zu dieser Vermessung betraut worden. 70 österreichische Topographen kamen nach Bulgarien, kehrten aber schon im Herbst 1895 in die österreichische Armee zurück. Das Vorhaben war gescheitert, und der bulgarische Generalstab mußte an die Herstellung eines Kartenwerkes gehen, das dem noch im Aufbau begriffenen Fürstentum geringere Unkosten verursachte. Die einzige Möglichkeit, schnell und billig zu einer zeitgemäßen Kriegskarte zu kommen, sah man daher in der H e r a u s g a b e d e s r u s s i s c h e n K a r t e n w e r k s nach Durchführung einer sorgfältigen Berichtigung. Diese im Jahre 1899 begonnene R e a m b u l i e r u n g beschränkte sich auf die Ortschaften, Verkehrswege und Kulturflächen, während die Geländezeichnung unverändert aus der russischen Karte übernommen wurde. Das Original der russischen 1-Werst-Karte (l : 42 000), das heute z. T. im Museum der Roten Armee zu Moskau liegt, stand den bulgarischen Kartographen nicht zur Verfügung, wohl aber eine photographische Reproduktion des gesamten Kartenwerks im Maßstab l : 105 000. Diese verkleinerte Kopie wurde wieder auf den ursprünglichen Maßstab gebracht und bildete als Blaupause die Grundlage der Reambulation. Die Berichtigungsarbeit im Gelände stieß auf große Schwierigkeiten, da ein beträchtlicher Teil der von den Russen errichteten t